In einer einstündigen Improvisation wurde eine Musik zu entwickeln versucht.
Als Zuhörer befand man sich bei dieser "komponierten" Improvisation schon bald
in der paradoxen Situation, dass man mehr wusste als die Musiker: das Material
war bekannt und auch die Entwicklungen blieben voraussehbar. Die neun Musiker
der CSM mochten dies gespürt haben und inszenierten Ausbruchsversuche. Hier
scheuten sie leider vor billigsten Gags nicht zurück, - nicht einmal in den
Niederungen des französischen Boulevardtheaters wagt man heute solche
Abgegriffenheiten wie das laute Verlassen des Saales oder das Zuknallen
einer Türe noch zu verwenden! Auch der ideologische Kern der freien
Gruppenimprovisation, das befreite und befreiende Zusammenspiel in der Gruppe, wurde kaum eingelöst.
Was von dieser bemühten Improvisation, bei der sich die Musiker alle auch ein
gutes Stück zu ernst nahmen, in Erinnerung blieb, war schließlich die Leistung
eines Einzelnen, nämlich ein durchaus beeindruckendes Solo des Pianisten.
Roman Brotbeck