Die Töne werden zum Signal
Lange Musiknacht: Unerhört, ungehört oder zugehört? / Improvisation auf hohem Niveau

Die für alles Neue in der Musik empfänglichen Konzertgäste kamen bei der "Langen Musiknacht" auf ihre Kosten.
Hechingen. Improvisationskunst auf höchstem Niveau, avantgardistische und herkömmliche Musik kennzeichneten
die Neuauflage der "Langen Nacht der Musik" mit renommierten Künstlern um den Komponisten Uli Kieckbusch.
Unerhört, ungehört oder zugehört? Beim Konzert des Kunstvereins Hechingen werden diese Wörter bedeutend. Als unerhörtes Krach-Chaos mögen manche Konzertbesucher vielleicht jenes ächzen, knarzen, schaben, hauchen, brummen oder quieken empfunden
haben, was da am Samstag zeitweise von der Stadthallenbühne erhört wurde. "Zu-gehört" vom Einerlei der überall verfügbaren Kommerz-Musik kamen die für alles Neue in der Musik empfänglichen
Konzertgäste hier sicherlich auf ihre Kosten. Aber "un-gehört" war das allemal, was sich in den ersten Programmteilen am Set ereignete. Das lief etwa so ab: Der
Grieche Floros Floridis erzeugt auf seiner Bassklarinette einen satt-sonoren Grundton. Als wollten sie ihre Instrumente stimmen, klinkt sich der Finne Harri Sjöström mit
demgleichen, oktavierten Ton auf dem Sopransaxophon ein und buhlt mit dem tiefen Kellerton um die Bühnenpräsenz.
Ungeordnet und wieder um
Duett stehen die Töne im
Raum und werden zum Signal
für den Dresdner Schlagwerker
Günter "Baby" Sommer,
der nun beginnt, dem Stück so
etwas wie eine Struktur vorzugeben.
Der Gitarrist Peter
Kleindienst aus Freiburg reiht
sich zu den Bläsern ein, die
sich nunmehr mit großen
Intervallen in kurzen Staccato-Tonsequenzen beschäftigen,
und zupft, reibt, streicht
an den Saiten.
Dann schrille oder gedämpfte Obertöne von beiden Bläsern, die mit den Klängen
und Geräuschen von Gitarre und Schlagzeug in ein rhythmisch geordnetes Gefüge
übergehen, bei dem jeder für sich, aber in gemeinsamer Bande fungiert. So sah es
wohl auch Uli Kieckbusch, der sich dem Quartett mit der Marimbula zugesellte oder auf dem Flügel teils heftig seine
Läufe oder wuchtigen Akkordsäulen aufspielte. Später wechselte er zur Mundharmonika
oder arbeitete mit seiner Stimme. Etwa bei den "Liebesliedern" und anderen Stücken
aus seiner Feder, die mit anderen Werken zeitgemäßer Richtungen die "Lange Nacht"
abrundeten. Weitere Mitwirkende waren Judith Goldbach am Kontrabass und der Überraschungsgast Wolfgang Bayer am Klavier.
Willy Beyer