Uli Kieckbusch hat alle Hände voll zu tun. Auf dem Notenständer neben seinem
Flügel liegen Radiergummis, Palisanderstäbe, Kochlöffel, und getrocknete
Zitronen bereit. Während er auf den Tasten großzügige, oft dunkel dröhnende
Klangwände errichtet, verteilt er den Hausrat nach und nach im Innenraum seines
Instruments. Einige Saiten beginnen zu scheppern, andere bekommen nur noch ein
metallisches Krächzen zustande - verrissene, stumpfe Schläge, die in nichts
mehr an den vollen, klaren Ton eines Pianos erinnern.
Keine Frage: Uli Kieckbusch und der New Yorker Flötist Robert Dick hatten bei
ihrem Auftritt im Schlossbergsaal des Südwestfunks in Freiburg vor allem die
Sabotage des konventionellen Klangs im Sinn. Die eigentümliche musikalische
Sprache, die sie dabei entwickelten, beschrieb das "Experiment" im besten
Sinne als eine spielerische Methode, die Soundgrenze ihrer Instrumente zu
erweitern. So laborierte Robert Dick an seinen Föten (Piccolo-, Konzert-, Bass-
und F-Bassflöte) vorzugsweise zwischen leise klagenden Flageoletts, hart
akzentuierten Klappen- und Luftgeräuschen und einem schnarrenden, an den Klang
einer Sitar erinnernden Ton.
Die gebrochene Schönheit, mit der seine Improvisationen im Resonanzkörper des
Flügels verhallten, bildete zugleich die Folie für Kieckbuschs ungeahnte
Ausflüge in die Welt der labilen Klänge und Störgeräusche. Sie gipfelten
schließlich in der Improvisation über das Thema einer Spieldose - eine banale
Blechbüchse von der Form eines Kreisels, rundum mit bunten Bildchen beklebt.
Als Kieckbusch an ihrer Kurbel drehte, zirpten im Innern winzige Metallzungen
eine seltsam schräge Melodie - pling, plong, pling, plong. Das Klavier stimmte
in sirrendem Unisono ein, aus der Flöte atmete ein obertonreiches Rauschen...
Konkreter und zugleich entrückter ließe sich wohl nur mit dem Knacken in
Telefonleitungen oder dem Ende der Radioskala improvisieren.