Voice & Piano
Judy Robers & Uli Johannes Kieckbusch


Unerhörte Klänge


Die schiere Lust am Improvisieren war es, die diese beiden Künstler, die Sängerin aus den USA und den Pianisten und Musikerfinder aus Trossingen, zusammengeführt hat. Fröhlich machen sie Ernst mit dem Spaß, kein musikalischer Stein bleibt auf dem anderen, aus Worttrümmern werden neue Klangsprachen erbaut. Leichtigkeit und Klangfülle, Aufbrechen und Zusammenfügen, Virtuoses so müheloses und einfach, daß einem schier das Hören vergeht.

Ippi Pabao, oder so ähnlich, vermeinte einst ein Musikkritiker in einem Konzert der beiden vernommen zu haben, und damit dürfte er in der Beschreibung dessen, was die beiden im musikalischen Ritt durch die Idiome vollführen, der Wahrheit sehr nahe gekommen sein. Es klingt, es hat Rhythmus, ist mal eher jazzig, mal eher avantgardistisch, macht Ausflüge hierhin und dorthin, begegnet jener Silbe und diesem Melodiefragment, und alles dient der Kommunikation, der Unterhaltung. Man versteht sich, da man einander auch zuhört bei gleichzeitigen Tun, beim scheinbar chaotischen Produzieren sagenhafter Töne und märchenhafter Klanggespinste.

Beide sind hochkarätige Solisten, und dennoch verstehen sie aufeinander einzugehen, so daß aus den zusammen und gleichzeitig oder nacheinander erzeugten Tönen weitaus mehr wird als das Produkt der ungebundenen Phantasie zweier Musiker: Eben Ippi Pabao, der Klang gewordene Beweis, daß es in unserer der Logik und dem Materiellen verhafteten Welt möglich ist, den Intellekt und die Assoziation, die rechte und die linke Hälfte des Gehirns, Körper und Kopf, Leib und Seele wie in einer Brücke hin und herfließen zu lassen.

Innerhalb der konventionellen Form des Konzerts ereignet sich musikalisch Unkoventionelles, Unvorhersehbares, Gewolltes, aber nie Geplantes. Mal werden vorab Gläser ins Klavier gestellt oder Tischtennisbälle, mal geht es eher um klanghaft Sinnliches, mal eher um syllabisch Rhythmisches, aus kleinen einem Thema oder Motiv ähnlichen Vorgaben - etwa einem Wort oder einem Blatt Papier oder einer Stimmung entwickeln sich skurrile Welten, und dem Zuhörer wird entspannt die Möglichkeit eröffnet, sich auf den entstehenden Klängen davonzumachen ins Reich der eigenen Phantasie, aber auch einfach nur zuzuhören und zu genießen.

Ippi Pabao ist nur ein möglicher Name für die unerhörten Klänge von Uli Johannes Kieckbusch und Judy Roberts, er mag auch nur einen Teil der Wahrheit über dieses Konzert enthalten. Aber man kann getrost von diesem Teil aufs Ganze schließen, und dieses Ganze ist unzweifelhaft ein Erlebnis, und dazu ein Erlebnis von hohem Unterhaltungswert.



Dr. Heribert Möllinger